Die minutiöse Arbeit eines Greenkeepers

20 Mai 2019

Auf dem berühmten Golfplatz von Crans-sur-Sierre kümmert er sich mit grosser Sorgfalt um die Rasenflächen, Wege und Gewässer. Roland Dumoulin ist ein Greenkeeper. In seinen Augen kann man die Liebe zu seiner Arbeit erkennen. 

 

Roland Dumoulin ist sehr naturverbunden. Seit 14 Jahren arbeitet der Greenkeeper auf dem nach dem berühmten Golfer Severiano Ballesteros benannten Golfplatz in Crans-Montana – einem 18-Loch-Platz, der auf 1‘500 m ü. M. liegt und von den höchsten Bergen der Alpen umgeben ist. Zusammen mit seinen Kollegen kümmert er sich um die Schönheit des Platzes. Er trägt einen Dreitagebart und hat ein Lächeln auf den Lippen. Er ist von der Sonne gebräunt. Kein Wunder: Sein Arbeitsplatz befindet sich fast ausschliesslich im Freien. Und Crans-Montana gilt als einer der sonnigsten Orte in den Alpen.



Sich um den Rasen zu kümmern, ihn millimetergenau zu trimmen, so dass er gesund und üppig ist, ist nur eine der Aufgaben eines Greenkeepers. Roland kümmert sich auch um die Golfplätze und Gewässer, das Schneiden der Bäume und das Vertikutieren – der gesamte Rasen wird von Moos und Unkraut befreit, damit er besser atmen kann. Aber ein Greenkeeper platziert auch die Löcher und Fahnen. Das erfordert eine besondere Intuition und Erfahrung. Deshalb ist es fast unerlässlich, dass ein Greenkeeper selbst Golf spielt. „Man muss sich von einem Moment auf den anderen in die Lage des Spielers versetzen können, egal ob man Profi oder Amateur ist. Um zu wissen, ob ein Loch schwierig zu spielen ist, muss man es selbst ausprobieren“, sagt Roland.



Hier in den Bergen ist die Saison kürzer als im Tal. Sie ist von Mitte Mai bis Ende Oktober voll im Gange. Manchmal, wenn es später schneit, wird die Saison verlängert. Es gibt auch einige Unterschiede zwischen dem Greenkeeping in hohen oder tieferen Lagen. „Wir haben viel weniger Krankheiten, die anderswo durch Hitze oder Feuchtigkeit verursacht werden. Die Luft ist gesünder und frischer. Und da die Saison kürzer ist, muss zu Beginn der Saison alles besonders schnell gehen.“



Moderne Zeiten auf dem Golfplatz

Das Tempo ist heute sicherlich anders als noch vor 10 oder 20 Jahren. Das liegt auch an den gestiegenen Ansprüchen und Erwartungen der Spielerinnen und Spieler. „In der Schweiz ist das Niveau sehr hoch, die Leute erwarten Perfektion. Aber das ist auch gut so, denn es fordert uns heraus und macht uns leistungsfähiger. Es wird nie langweilig.“ Die Maschinen sind im Laufe der Zeit viel moderner geworden, ebenso die Reinigungsmittel, die viel weniger Chemikalien enthalten und man achtet darauf, kein Wasser zu verschwenden. Man geht mit der Zeit und muss immer auf dem neusten Stand sein. Vorallem bei Profiturnieren wie dem European Masters, welches zu den grössten Turnieren hier in Crans-Montana zählt. „Vor einem Profiturnier muss alles absolut perfekt sein bis ins kleinste Detail. Deshalb müssen wir mehr Personal einstellen“, erklärt Roland.

 

Sorgfalt, Aufmerksamkeit und Liebe zur Natur

Es ist diese Liebe zum Detail, die der ausgebildete Landschaftsgärtner an seiner Arbeit besonders schätzt. „Man muss die Arbeit nicht nur machen, man muss sie sehr gut und mit viel Sorgfalt machen. Es ist keine einfache Arbeit, wie Sie sich vielleicht denken können.“ Im Einklang mit der Natur zu sein, ist einer der Vorzüge der Arbeit von Roland. „Die Natur und das Wetter ändern sich ständig und sind oft überraschend. Man muss sich dessen bewusst sein und sich der Natur anpassen, mit ihr arbeiten und nicht gegen sie, sonst wehrt sie sich.“



Auch hier gilt folgende Regel: Wenn Sie Ihre Arbeit gut machen, bekommen Sie viel zurück. Das Feedback der Golfer ist Roland sehr wichtig. Im Gegensatz zu anderen Golfclubs gibt es keine so strikte Trennung zwischen denjenigen, die hier arbeiten und denjenigen, die spielen. „Es herrscht ein reger Austausch, die Leute reden viel miteinander. Viele Greenkeeper sind selbst Mitglied des Clubs. Und es kommt oft vor, dass ich mit den Leuten spiele, die mich normalerweise auf dem Rasenmäher sitzen sehen“, sagt Roland.

 

20. Mai 2019

Texte & Fotos: Best of the Alps - Heiko Mandl // friendship.is