Auf die Ski, fertig, los! Tourentipps von Séverine Pont Combe

22 Dezember 2021

Von A wie Ausrüstung bis Z wie Zwiebelprinzip: Wenn jemand weiss, worauf es bei einer Skitour ankommt, dann ist es Séverine Pont Combe. Die siebenfache Schweizermeisterin im Skitourenrennen teilt ihre besten Touren-Tipps.

Kaum jemand kennt die Skitourenpisten der Region Crans-Montana besser als Séverine Pont Combe. Die Sportlerin ist der lebende Beweis, dass Übung tatsächlich die Meisterin macht: Zusätzlich zu ihren sieben Titeln an den Schweizermeisterschaften im Skitourenrennen staubte die heute 41-Jährige an Welt- und Europameisterschaften insgesamt zwölf Medaillen ab und gewann die anspruchsvolle «Patrouille de Glaciers» nicht ein-, nicht zwei-, sondern gleich viermal.
Séverine Pont Combe stellt ihr Können und Wissen aber nicht nur auf den Skiern unter Beweis: Gemeinsam mit ihrem Mann Nicolas Combe hat sie auch den ganzen Ski Rando Parc in Crans-Montana konzipiert. Bis heute unterstützt das skibegeisterte Paar dieses Grossprojekt tatkräftig und legt häufig gleich selber Hand an, damit auch andere das Abenteuer Skitour im gesicherten Rando Parc in vollen Zügen geniessen können.
So zahlreich wie ihre Auszeichnungen sind auch die Tipps, die Séverine Pont Combe in Sachen Skitouren auf Lager hat:

Crans-Montana – atemberaubend weitläufig

«Das Gebiet rund um Crans-Montana ist für Skitouren wirklich besonders gut geeignet: Die Region ist sehr weitläufig und profitiert von einem speziellen Klima. Zudem gibt es gleich vier Talstationen, die einen einfachen Start in die Skitourenstrecken ermöglichen. Apropos einfach: Im Dorf kann man Material mieten, digitale oder gedruckte Karten stehen gratis zur Verfügung und die Startpunkte sind gut erreichbar – zu Fuss, mit dem Auto oder ÖV».
«Auch Langweile kommt sicher keine auf: Der Ski Rando Parc von Crans-Montana besteht aus 16 gesicherten und markierten Strecken: Das sind insgesamt 45 Kilometer und 8000 Höhenmeter! Ob Anfänger oder Profi, hier gibt es für jeden das passende Abenteuer. Zudem gilt: Keiner zu klein, auf Skitour zu sein. Für Kinder empfiehlt es sich, Langlaufskis zu nehmen und darunter kleine Felle zu fixieren: Diese sind leichter und die Schuhe für kleine Füsschen besser geeignet».

Sicherheit geht vor

«Der Rando Parc ist durch die Bergbahnen und das Team des Skigebiets gesichert. Deshalb sind auch die Skitourenstrecken und ihre Öffnungszeiten vom Skigebiet abhängig. Für Tourengänger heisst das: Immer vor dem Start kontrollieren, ob die Strecke auch offen ist. Bei einem Unfall intervenieren die Patrouilleurs des Skigebiets, und für die Abfahrt dürfen auch die präparierten Skipisten oder die Gondel benutzt werden. Dafür gibt es einen Rando Pass: Dieser kostet 5 Franken pro Tag oder 50 Franken pro Saison – sofern man nicht ohnehin schon ein Skiticket besitzt».






Eine gute Ausrüstung ist das A und O

«Eine gute Ausrüstung ist auf Skitour unentbehrlich. Dazu gehören ein Rucksack, genug zum Trinken, etwas Kleines zum Essen – bei mir sind das meist Bananen oder ein Energieriegel –, warme Handschuhe und je nach Wetter ein Ersatzpulli und eine Jacke für die Abfahrt. Wenn’s schneit, ist auch eine Skibrille praktisch. Ist es feucht, würde ich zudem empfehlen, ein zweites Paar Felle mitzunehmen. Mein Extra-Tipp: Die Felle gut wachsen, damit der nasse Schnee weniger kleben bleibt. Das geht auch unterwegs: Es lohnt sich also, ein Stück gelbes Skiwachs in der Tasche zu haben».
«Ich persönlich habe immer auch einen Helm und eine Rettungsdecke dabei, man weiss ja nie, was passieren kann. Der Ski Rando Parc ist gut gesichert, weshalb das Mitführen von Schaufel, Sode und Lawinensuchgerät (LVS) nicht obligatorisch ist. Es ist aber sicher sinnvoll, sich beim Skitouren schnell daran zu gewöhnen, das Material immer dabeizuhaben. Dieses ist schliesslich vor allem dazu da, dass man sich unterwegs sicher und wohlfühlt und während der Tour Spass haben kann».

Immer den Markierungen nach...

«Der Ski Rando Parc in Crans-Montana ist sehr gut ausgeschildert. Wer sicher unterwegs sein möchte, braucht also nur den markierten Wegen zu folgen. Es empfiehlt sich aber dennoch, eine Karte dabei zu haben: Zum einen kann man so immer überprüfen, wie viel Strecke man bereits hinter oder noch vor sich hat. Zum andern hilft die Karte, wenn man von einer Strecke auf eine andere wechseln möchte. Manchmal stösst man beim Skitouren auch auf Spuren, die den Ski Rando Parc verlassen. Es ist deshalb wichtig, immer nach der offiziellen Markierung Ausschau zu halten».
«Wer ausserhalb des Ski Rando Parcs auf eine Ski- oder Bergtour gehen möchte, sollte dies am besten mit einem professionellen Führer oder einer Führerin machen: aus Sicherheitsgründen, aber auch, weil diese Person neben ihrer ganzen Erfahrung auch ihre ganze Leidenschaft mitbringt – so wird die Tour zu einem ganz besonderen Erlebnis».

Eine richtige Technik

«Beim Skitouren gilt: Übung macht den Meister. Je mehr Skitouren wir auf dem Buckel haben, desto besser wird unsere Technik. Das heutige Material ist viel leichter als früher: Deshalb ist es umso wichtiger, beim Gehen den Ski so wenig wie möglich hochzuheben und den Fuss ganz nah am Boden zu halten – man läuft also ein bisschen wie ein schlurfender Teenager (lacht).
Wichtig ist auch, dass man sich gut auf die Arme und Stöcke aufstützt: Letztere sind sozusagen unser drittes und viertes Bein und besonders bei gefrorenen Passagen oder am Hang äusserst hilfreich. Zur richtigen Technik gehört zudem immer auch, das Gelände zu beobachten: Ist ein Abschnitt zu steil oder zu stark gefroren, dann kann ein kleiner Umweg in der Nähe der Spur manchmal sinnvoll und wichtig sein».

Kleider machen Tourengänger – das Zwiebelprinzip

«Beim Skitouren startet man häufig auf 1500 m ü. M., und denkt vielleicht fälschlicherweise, es sei ja ganz warm und man brauche vermutlich keine warme Jacke. Ein grosser Fehler: Einige Zeit später ist man am Berg und die Bedingungen können ganz anders sein. Es ist deshalb wichtig, verschiedene Schichten dabei zu haben, die man je nach Bedarf an- und ausziehen kann. Ich würde empfehlen, einen Basic-Layer anzuziehen – eventuell mit einer Weste –, dann eine warme Schicht und zuäusserst eine Hardshell-Jacke zum Schutz gegen Schnee und Wind».

Hier kommen auch Anfänger auf Touren

«Die blauen Strecken rund um Crans-Montana sind für Anfänger alle gut geeignet. Vor allem die Nummern 5, 10 und 13 sind einfach ideal: Sie liegen auf verschneiten Strassen, das Gelände ist nicht sehr steil und auch technisch nicht zu anspruchsvoll – weder beim Aufstieg noch bei der Abfahrt. Diese Strecken sind alle, die es gerne etwas gemütlicher mögen, aber das Skitouren trotzdem einmal ausprobieren möchten, wie gemacht. Wer nicht sicher ist, wie lange die Skitouren-Lust anhält, startet am besten mit Strecke 10: Hier besteht die Möglichkeit, eine Rundwanderung zu machen und danach mit dem gratis Shuttlebus in den Ort zurückzukehren».






Anspruchsvolle Routen für alte Tourenhasen

«Es gibt in Crans-Montana verschiedene Strecken, auf denen man sich fühlt, als sei man ganz alleine auf der Welt – nur ein paar Schritte weiter, und man gelangt an einsame Orte, wo noch die Natur das Sagen hat. Die rote Strecke Nummer 7 zum Beispiel ist einfach wunderschön: Sie startet im Wald, und die Natur ist hier so wild, dass man gar nicht richtig weiss, wo der Weg einen hinführt. Inmitten der verschneiten Bäume fühlt man sich wie in Lappland. Wer es gerne ein bisschen technischer mag, kommt bei den Spitzkehren der Nummer 8 so richtig auf Trab. Und für echte Experten sind die Strecken Nummer 9 und 12 ein wahres Vergnügen».
«Grundsätzlich sind die schwarzen Strecken in der Region technisch alle sehr anspruchsvoll und beinhalten viele Spitzkehren. Auch können die Wetter- und Schneebedingungen hier schwierig sein, vor allem im Frühling, wenn die Spuren am Morgen meistens noch gefroren sind. Anfänger sollten für ihre ersten Skitouren deshalb auf keinen Fall eine solche Strecke auswählen».

Besser geht nicht – Séverines Skitourenhighlight

«Mein persönliches Highlight in Crans-Montana ist die Strecke Nummer 8. Vor allem im letzten Teil befindet man sich gar nicht weit von den Skipisten entfernt, man ist aber trotzdem mitten in der wilden Natur zwischen Felswänden unterwegs. Gleichermassen unberührt ist auch die Nummer 9: Hier bewegt man sich nur etwa 40 Meter weit im Skigebiet, ansonsten ist man immer ab vom Schuss respektive weg von der Piste – das mag ich sehr. Die Strecke Nummer 7 bietet einen spannenden Mix an unterschiedlichen Landschaften, und auch die Strecken Nummer 14 und 12 im Gebiet von Aminona sind wunderschön und ruhig».
«Wie man sieht, mag ich eigentlich alle Strecken des Rando Parcs – zum Glück wohne ich hier und muss mich nicht entscheiden (lacht). Der Höhepunkt auf jeder Strecke ist aber immer das Naturerlebnis, die Umgebung und die Aussicht. Es ist genau diese Vielfalt, die das Skitouren für mich ausmacht, und es ist wirklich ein Vergnügen, hier trainieren zu dürfen. Für Gäste lohnt es sich ebenfalls, rund um Crans-Montana auf Entdeckungs-Skitour zu gehen. Denn hier findet sicher jede und jeder eine passende Strecke nach eigenem Wunsch und Niveau».