Wie spielt man auf dem Severiano Ballesteros? Die Tipps von Stéphane Barras

18 August 2022

Stéphane Barras stammt aus der Region. Die Golfplätze des Golfclubs Crans-sur-Sierre kennt er wie seine Westentasche, denn er hat dort seit seiner frühesten Kindheit mit seinem Vater, dem Schweizermeister Roger Barras, gespielt.

Heute widmet sich der passionierte Golfer dem Coaching und gründete CaddiePlayer, bei der er verschiedene Trainingstechniken entwickelt hat, um die Bewegungen der Spieler zu optimieren und ihre Scores zu verbessern. International bekannte Spieler nehmen seine Dienste mit Erfolg in Anspruch. 2020 wurde er sogar von der Zeitschrift Golf Digest zu einem der „Best International Teachers“ nominiert.

Dieser Weltreisende verrät uns hier einige Geheimnisse, wie man seine Leistung auf seinem Lieblingsplatz, dem Severiano Ballesteros in Crans-Montana, optimieren kann.


Guten Tag Stéphane! Danke, dass Sie sich trotz Ihres vollen Terminkalenders die Zeit genommen haben, zu uns zu kommen. Sie sind soeben aus England zurückgekommen, stimmts?

Guten Tag! Ich habe Ihre Einladung sehr gerne angenommen. Ja, in der Tat habe ich in England André Bossert, die Nummer 1 der Schweiz, gecoacht, der bei der Legends‘ Tour mitmacht. Und jetzt bin ich ein paar Tage daheim, hier, wo alles angefangen hat.


Sie waren hier im Alter von 9 Jahren zum ersten Mal Caddie. Das ist ziemlich jung, um damit anzufangen.

Ja, aber für mich war das ganz normal. Mein Vater, Roger Barras, war nach einer grossartigen Karriere, mit dem Gewinn des Schweizermeister-Titels als Höhepunkt, viele Jahre lang Caddie. Er war sogar der Caddie des Gewinners des Omega European Masters im Jahre 1952. Ich war also von klein auf in diesem Umfeld zu Hause und ich habe mich sehr schnell für den wissenschaftlichen Aspekt des Coachings interessiert.

Coachen, um die Leistung zu optimieren, ist zu Ihrem Mantra geworden. Wie sieht das konkret aus?

Seit ich 1977 bei den Swiss Open der Caddy von Jean Garaialde war, verfolgt mich diese Idee. Wie kann man beim Golfspielen seinen Score verbessern? Es spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass es schwierig ist zu wissen, wo man beginnen soll. Aber meine Methoden basieren auf der Wissenschaft und den interaktiven Statistiken von jedem Golfplatz. Sie ermöglichen es wirklich jedem, seine Score zu optimieren, indem er die Bewegungen, Schläger, Plätze usw. besser versteht und das alles natürlich entsprechend seinem Niveau.

In Crans-Montana zum Beispiel fordert der berühmte Severiano Ballesteros jedes Jahr die besten europäischen Spieler heraus. Es ist sicherlich sehr interessant für Sie, diese zu verfolgen.

Das ist grossartig. Dies miterleben zu können, ist eine unglaubliche Chance für jeden Golfliebhaber. Das Omega European Masters ist eines der wenigen Turniere, welches jedes Jahr auf demselben Golfplatz ausgetragen wird. Der Severiano Ballesteros empfängt daher dieses Jahr zum 75. Mal die besten Spieler mit der besten Analysetechnologie. Die Menge der gesammelten Daten ist daher einzigartig und man kann alle gespielten Schläge über mehrere Jahre hinweg beobachten, vergleichen, analysieren und bewerten. All dies führt dazu, zu lernen, wie man besser spielt.

Eben! Welche Besonderheiten gilt es zu beachten, wenn man auf dem berühmten 18-Loch-Golfplatz von Crans-Montana spielt?

Stéphane: Die Besonderheit des Golfplatzes von Crans ist, dass es sich um einen Golfplatz in den Bergen handelt. Man muss also verschiedene Elemente berücksichtigen, wenn man dort spielt. Vor allem die Höhenlage, da der Ball auf 1‘500 m ü. M. weiter fliegt als auf Meereshöhe und man muss daher seine Länge anpassen. Und wenn man auf diesem Platz zu lang ist, kann das sehr nachteilig sein. Die Kenner wissen, dass man die Greens nicht angreifen sollte, da es hinter jedem Loch bergab geht. Man sollte es also vermeiden, direkt auf die Fahne zu zielen und sehr genau auf die Länge achten.

Eine weitere Besonderheit ist, dass das Klima im Zentralwallis relativ trocken und der Golfplatz generell nicht sehr feucht ist. Die Bälle werden daher auf dem Green nicht pitchen, sondern eher abspringen und rollen. Daher gibt es auf dem Ballesteros oft lange Puts zu spielen und so erfordert es auch hier technisch gesehen viel Präzision und ein wenig Glück.

Auch auf taktischer Ebene gibt es einige Dinge, die man wissen muss. Die ersten sechs Löcher sind im Wald, danach wird es offener. Psychologisch gesehen ist es wichtig, das zu wissen und seine Erwartungen an die Stärken und Schwächen seines Spiels anzupassen. Ausserdem gibt es am Ende des Parcours zwei Par5 mit den zwei langen Löchern 14 und 15. Hier kann es also zur Sache gehen und das Scoring kann sich sehr schnell zum Positiven oder Negativen wenden.

Natürlich muss man auch den Golfplatz gut studieren und sich mit den verschiedenen Hindernissen, insbesondere dem Wasser und den Bunkern, vertraut machen. Aber auf dem Ballesteros sind sie nicht unbedingt entscheidend, abgesehen vielleicht von einigen Fairwaybunkern und dem Wasser des 12. und 14. Lochs, die besonders schwer zu umgehen sind.






Daher kann man sich also vorstellen, dass es Löcher gibt, die entscheidender sind als andere.

Das Loch Nr. 7 ist auf jeden Fall das entscheidende. Es ist ein sehr kurzes Par4, wo man mit einem Schlag auf dem Green ankommen kann. Aber es gibt einen wichtigen Faktor, den man berücksichtigen muss: den Wind. Am Anfang ist man durch die Lärchen geschützt und man ist sich vielleicht nicht unbedingt bewusst, dass danach, wenn man aus dem Wald herauskommt, alles offen ist und es oft auch Seitenwind gibt. Es ist auch ein psychologisch entscheidendes Loch, da die Spieler oft entspannen, nachdem sie die ersten sechs Löcher im Wald geschafft haben. Wenn sie jedoch weiterhin konzentriert bleiben und das Loch 7 gut spielen, kommen sie in eine interessante Dynamik für den weiteren Verlauf des Parcours.

Ein weiteres unterschätztes Loch, das jedoch von Bedeutung sein kann, ist Loch Nr. 12. Oft nehmen die Spieler einen Wedge, einen Schläger, der dem Ball viel Spin und Backspin verleiht. Tückisch ist jedoch, dass das Green von Nr. 12 leicht zum Wasser hin abfällt, das sich direkt davor befindet und die Spieler überrascht. Es ist also vielleicht das einzige Green, auf dem man eher lang sein sollte.

Im Idealfall sollte ein Profispieler also mit -1 aus dem Wald kommen, an der 7 ein oder zwei Schläge darunter liegen. Das gibt Selbstvertrauen. Dann muss er bis zu den Löchern 14 – 15 durchhalten und an jedem dieser Löcher ein Birdie oder Eagle spielen. Das macht ungefähr -5 auf dem Parcours und wenn er das vier Tage hintereinander schaffen kann, dann gewinnt er das Omega European Masters.

Diese Tipps sind sehr hilfreich. Was ist, wenn man auf dem Parcours Unterstützung braucht?

In der Praxis ist es schwierig, einen wirklich erfahrenen Caddie zu haben. Andererseits hat in der Regel jeder sein Smartphone dabei. Deshalb habe ich mich mit hello-birdie.com zusammengetan, einer intelligenten App, die die Dienste eines virtuellen Caddies anbietet. Wenn Sie nicht wissen, welchen Schläger Sie benutzen sollen, analysiert die App die Distanz, die Höhe, die Windstärke und –richtung und natürlich Ihre Spielstärke, um Ihnen für jedes Loch eine Empfehlung zu geben. Die Wissenschaft kann Wunder vollbringen und mein Ziel ist es, sie zugänglich zu machen, um das Golferlebnis von jedem Einzelnen zu verbessern.




Wenn Sie die Golfplätze von Crans-Montana kennenlernen möchten, sei es den 18 Loch-Golfplatz von Severiano Ballesteros oder den 9 Loch-Golfplatz von Jack Nicklaus, zögern Sie nicht, Ihre Tee-Times direkt beim Golf-Club Crans-sur-Sierre zu reservieren. Ausserdem stehen Ihnen das ganze Jahr über Profis zur Verfügung, die Ihnen in der Golf Academy Unterricht erteilen.

Und wenn auch Sie den besten Spielern Europas zusehen möchten, sollten Sie sich das Omega European Masters, eines der prestigeträchtigsten Turniere der DP World Tour, nicht entgehen lassen, das vom 25. bis 28. August 2022 in Crans-Montana stattfinden wird.